Erntedankfestpredigt 2007
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird ein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! (Mt 6,19-23)
Kennen sie den aktuellen Stand ihres Kontos auswendig? Vielleicht wissen einige sogar, was ihre Aktien in diesem Jahr abgeworfen haben. Welche Schätze sammeln sie? Wie viel hat es gekostet, das Dach des Hauses zu decken? Wie teuer war der Fernseher? Welche ihrer Schätze lagern sie im Himmel? Und welche lagern sie auf Erden? Und wie viele davon haben Motten und Rost bereits geholt? Trauern sie manchem nach, das ihnen so verloren ging?
Vielleicht winken sie jetzt auch ab: Ich sammle keine Schätze. Was geht mich an, was Jesus zu diesem Thema gesagt hat? Er hat bestimmt nur die Reichen gemeint. Die haben auch damals schon viel Mühe darauf verwandt ihr Vermögen sicher anzulegen. Aber wir? Was er hier sagt, das geht an den meisten von uns doch wohl vorbei.
Diese Sätze Jesu stammen aus der Bergpredigt. Es sind ganz zentrale Aussagen von ihm und nichts deutet darauf, daß er nur ein paar wenige seiner vielen Zuhörer gemeint haben könnte. Er redet alle an und er meint wohl, daß es ein Thema ist, das alle angehen sollte. Und wahrscheinlich gab es damals viel mehr Menschen, die direkt von der Hand in den Mund lebten als heute.
Warum müssen solche Ermahnungen sein? Gerade zum Erntedankfest! Da ist solch ein Text auch eher lästig. Peinlich, daß einem so der Spaß verdorben wird.
Vor gut hundert Jahren stand die Lunower Kirchengemeinde vor der Frage, was man denn mit dem Kirchenvermögen tun solle, nachdem man Kirche und Pfarrhaus saniert hatte, die Leichenhalle gebaut war und ein Leichenwagen angeschafft. Kirchensteuern wurden in Lunow nicht erhoben und Amtshandlungen waren gebührenfrei. Trotzdem - so heißt es wörtlich in Aufzeichnungen von Friedrich Dermietzel, die im Pfarrarchiv erhalten sind - "trotzdem wuchs das Kirchenvermögen lawinenartig an."
Auf solches Wachstum hoffen alle, die für öffentliche Kassen verantwortlich sind. Bürgermeister und Landräte, Finanzminister und Pfarrer eben auch. Solche Schätze wünschen wir uns - wenn wir ehrlich sind - trotz Jesu Warnung.
Solches Wachstum wünschen sich die meisten wohl auch aber für die eigenen ganz privaten Rücklagen. Was könnten wir nicht alles tun, wenn es unserem Konto so erginge ... Nicht umsonst spielen so viele Menschen im Lotto mit. Haben sie Ideen vor Augen, was sie tun würden, wenn sie den Jackpot gewännen?
In Lunow hat man damals einen Teil des Geldes verwendet, um den Kindergarten zu bauen, dessen 100jähriges Bestehen wir in den kommenden Tagen feiern. Heute sind wir dankbar, daß man damals ein solch solides Gebäude für einen solch wichtigen und schönen Zweck gebaut hat. Schließlich betreiben wir nach wie vor in diesem Haus den Kindergarten der Gemeinde.
War das der Teil des Schatzes, den die Lunower 1907 im Himmel angesammelt haben und dessen Erträge wir bis heute ernten können? War das der Teil des Vermögens, den sie so verwendet haben, wie es Jesus vor Augen stand?
Der Zahn der Zeit hat manche Reparatur nötig gemacht am Kindergarten - das wird immer so sein - aber er ist Motten und Rost nicht zum Opfer gefallen - trotz aller Widrigkeiten der Zeitläufte in den vergangenen hundert Jahren.
"Lasset die Kindlein zu mir kommen" - ist sein Motto heute wie damals.
Das restliche Kirchenvermögen - rund sechs Mal so viel, wie das Kinderheim gekostet hatte (Mancher wird jetzt überschlagen, wie viel das in heutigem Geld wäre) - der Rest ist von Motten und Rost gefressen worden. Vielleicht aber war auch viel schlimmer, was damit geschah: Im ersten Weltkrieg nämlich hat die Kirchengemeinde - patriotisch gesonnen wie so viele - Kriegsanleihen gezeichnet. Der Krieg ging verloren und das Vermögen auch. Was schrieb Friedrich Dermietzel dazu: Sie hatten es "auf dem Altar des Vaterlandes geopfert". Recht hat er damit. Schade nur, das Stolz aus diesen Worten spricht. Es war ein Götzenopfer und es war nicht Gottes Altar auf den man das Geld gelegt hat. Doch vor 90 Jahren sah man das wohl ganz anders.
Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
Das Erntedankfest erinnert uns daran, daß all das, was uns so selbstverständlich scheint so selbstverständlich nicht ist. Der Kindergarten, dessen Jubiläum wir feiern, ist ein Geschenk unserer Vorfahren an unsere Kinder. Haben diejenigen einen Anteil daran, die ihn heute nutzen?
Was auf den Feldern rund um unsere Dörfer geerntet wird, ist ein Geschenk der Natur, deren Ausstattung wir nur sehr begrenzt beeinflussen können. Wie schnell wird auch bei uns fleißige Arbeit zunichte, wenn es zu viel regnet oder zu wenig oder zur falschen Zeit.
Was wir verdienen, was wir als Rente bekommen - wir haben unseren Anteil daran. Aber welche Rente würde ausgezahlt, welches Gehalt, wenn wir in der Ukraine lebten oder wenn vor 17 Jahren nicht die Wende stattgefunden hätte?
Dankbarkeit für das, was uns das Leben ermöglicht und das wir eben nicht alles selbst in der Hand haben, will dieser Danktag, den wir in jedem Herbst feiern auslösen. Darum ist das Erntedankfest auch mehr als nur ein Erntefest. Es ist ein Tag, der uns befreien kann vom Wahn, alles sei machbar, wenn wir nur wollten. Es ist ein Tag, der uns froh und der uns zugleich bescheiden machen kann.
Das Erntedankfest kann uns fragen lassen, welche unserer Wünsche wert sind gewünscht zu werden. Wo ist unser Herz bei dem was wir wollen und hoffen und planen und wünschen?
Wollen wir mehr Reichtum, höhere Löhne und Renten für alle - was sehr sozial klingt, oder ist es uns wichtiger, daß auch Menschen nach uns noch die Chance haben ein gutes Leben zu führen?
Wollen wir mehr Wohlstand für uns oder wünschen wir uns Gerechtigkeit für die ganze Welt? Worauf sind wir eigentlich bereit zu verzichten, um einer Welt näher zu kommen, die Gottes Reich ähnelt?
Sind wir bereit Schätze dort zu sammeln, wo wir sie nicht jederzeit abrufen können, wo wir sie nicht einmal verzehren können, wo uns zunächst nichts weiter bleibt, als die Gewißheit etwas getan zu haben, das auch anderen dient?
Oder sind wir auf unsere Weise auch nur Heuschrecken, die abernten, die abfressen, was sie bekommen können und denen dabei ziemlich gleichgültig ist, was danach sein wird?
Das Schätze von Motten und Rost gefressen werden und daß es Diebe gibt, das wissen wir alle und so manche haben genau das in ihrem Leben auch bitter erfahren müssen. Das es einen Ort gibt, an dem nicht einmal Motten und Rost keinen Zutritt haben, wie Jesus es behauptet, das kann man nicht beweisen. Man kann es glauben, wenn man ihm folgt. Zu diesem Glauben will das Erntedankfest uns ermutigen.
Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Amen.
Erntedankfestpredigt 2008
Manche Menschen fragen nach Gott. Manche Menschen hoffen auf ihn. Manche Menschen bauen ihr ganzes Leben auf diese Hoffnung.
Aber manch Anderen ist Gott ein Phantasieprodukt. Manche spüren in sich nichts von irgendeinem Glauben. Manche halten den Glauben an Gott für überholt und rückständig. Manche Menschen meinen, sie könnten ihr Leben ganz aus eigener Kraft meistern.
Es gibt Menschen, die kommen in die Kirche, die erwarten etwas vom Gottesdienst und es gibt andere, denen ist völlig egal, was dort, was hier geredet wird. Manche brauchen Gottesdienst und andere hören weg. Manche wollen Gott heute dank sagen und andere halten für selbstverständlich, dass es ihnen gut geht. - So ist das nun mal. So war das immer, selbst zu Zeiten, als anscheinend alle zur Kirche gehört haben.
Zu allen Zeiten gab es Gute und Böse, Starke und Schwache, Hoffnungsvolle und Mutlose. Aber wer ist gut und wer ist böse? Ist der Gut, der Gottes Dasein vermutet und dann doch lebt, als gäbe es ihn nicht oder derjenige, der sich einsetzt für andere ohne von einem Gott Rückhalt zu erwarten?
Ist derjenige stark, der ganz allein zurecht kommen will, oder derjenige, der sich eingesteht, dass die eigene Kraft ganz schnell an Grenzen stoßen wird, die er nicht überwinden kann?
Hat derjenige mehr Mut, der die Lage unserer Welt aussichtslos findet nach menschlichem Ermessen und doch hofft, mit Gottes Hilfe noch etwas bewegen zu können oder derjenige, der akzeptiert, dass nichts mehr zu retten ist und sich abfindet mit dem offenkundig Unvermeidlichen?
Gute und Böse, Mutige und Hoffnungslose, Starke und Schwache gibt es nicht in Reinform. Wir alle sind unterschiedliche Mischungen aus diesen Zutaten. Jeder von uns hat seine eigene Rezeptur und jeder von uns ist für manchmal genießbar und ein anderes Mal unverdaulich.
Erntedankfest ist heute. Das ist Gelegenheit nach unserem eigenen Zustand zu fragen. Sehen wir einen Grund dankbar zu sein oder erdrücken die steigenden Preise den Dank dafür, dass es uns materiell so geht, wie es eben geht. Trauen wir uns zu danken oder bleibt uns der Dank im Halse stecken, weil wir tief im Innern wissen, dass wir uns mit unserem heutigen Lebenswandel selbst die Luft abwürgen, die wir morgen atmen müssten, dass das Klima von morgen mit dem zu tun hat, was wir uns heute leisten?
In Europa wird Weizen verbrannt um Strom zu erzeugen. Es scheint, Strom ist wertvoller als Nahrung. Auf unseren Feldern wächst Raps, damit Autos fahren können. Es wächst Mais für Biogasanlagen, weil wir sonst noch abhängiger wären vom russischen Erdgas, als wir es ohnehin schon sind. Können wir danken für Mais und Raps und Weizen, für Strom, Benzin und Biogas?
Ist es genug, wenn es mir selbst gut geht? Kümmert mich, wie es der nächsten Generation gehen wird oder denen in den anderen Teilen unserer Welt? Hoffe ich darauf selber gerade noch so davon zu kommen, weil ich ausrechnen kann wie lang meine eigene Lebensspanne höchstens noch sein kann?
Trauen wir uns zu klagen und zu danken oder versuchen wir mit geschlossenen Augen noch so weit zu kommen, wie es eben geht?
Wer heute für die Ernte danken will, wer für die Ernte Gott danken will, aus dessen Hand diese Welt kommt und dem wir für sie verantwortlich sind, der kann sich vor diesen Fragen nicht drücken.
Wir sind schuld an dem, was aus unserer Welt werden wird. Wir sind schuld und können dem bei bestem Willen doch nicht entgehen. Wir können uns nicht aus den Verflechtungen verabschieden, in denen wir leben. Wir sind gefangen in unserer Zeit und den Umständen unseres Lebens. Wir brauchen Geld um zu leben und Arbeit um Geld zu verdienen und das Auto um zur Arbeit zu kommen und Benzin um Auto zu fahren und Geld um Benzin zu kaufen. Wir sind keine Eremiten, die sich aus der Welt zurückziehen und von Heuschrecken und wildem Honig leben. Niemals können alle Menschen Eremiten werden.
Das Erntedankfest erinnert uns das daran, wie wenig wir uns selbst und unsere Lebensumstände in der Hand haben. Wir sind abhängig von anderen. Wir sind abhängig davon wie es unserer Welt geht. Wir sind abhängig von Erdgaslieferungen und vom Klima. Wir sind abhängig von Sonnenschein und Regen. Und wenn wir unser Leben nicht für den blanken Zufall halten wollen, dann erleben wir, dass wir abhängig sind von Gott. Ihm sagen wir heute Dank.
Amen.
Erntedankfestpredigt 2009
Haben Sie Vorschläge, was demnächst als Unwort des Jahres gekürt werden könnte? Bankenpleite oder Abwrackprämie, Schuldenbremse oder Milchstreik? Wir sind in der schwersten Wirtschaftskrise seit Menschengedenken. Aber wir spüren das kaum. Wir leben wie immer und heute nun feiern wir Erntedank.
Im Lukasevangelium finden wir den Predigttext, der für das diesjährige Erntedankfest vorgesehen ist:
Es sprach aber einer aus dem Volk zu Jesus: Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt? Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.
Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen ab-brechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!
Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.
Hütet euch vor aller Habgier. Natürlich! Das haben in den letzten Monaten alle möglichen gepredigt, Politiker und die Presse, die Kommentatoren in Rundfunk und Fernsehen. Das schöne an solchen Predigten ist, dass wir getrost zuhören können. Schließlich sind wir ja nicht gemeint, sondern diejenigen, die das ganz große Geld machen. Diese Summen von denen wir nur träumen, wenn der Lottojackpot wieder mal ganz voll ist.
Wer von uns würde sich selbst schon als habgierig bezeichnen. Habgier ist eine Lebenseinstellung, die die allermeisten von uns ablehnen, was soll also dieser Text heute? Aber vielleicht ist es ja der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, der sich hier bemerkbar macht. Stellen wir uns selbst auf die Probe stellen!
Nehmen wir an, wir gehen einkaufen. Welche Milch nehmen sie? Die Milch, die am billigsten ist, diejenige, die aus der Region stammt oder diejenige, die ökologisch produziert wurde?
Oder die gleiche Frage für Kaffeetrinker: Kaufen Sie den Kaffee aus dem Sonderangebot oder denjenigen, der etwas teurer ist, aber den Bauern in der Dritten Welt zu stabilen Einkünften verhilft?
Oder noch anders: Wenn Sie - sagen wir - zweitausend Euro übrig haben: Wie viele Zinsen erwarten Sie von Ihrer Bank, wenn Sie das Geld dort anlegen? Interessiert es Sie, womit die Bank das Geld verdient, das sie ihnen auszahlt?
Habgier ist nicht beschränkt auf die ganz großen Banker, die Bonuszahlungen bekommen, die höher sind als das, was wir normaler Weise im ganzen Leben verdienen können. Immerhin sind sie es, von denen wir erwarten, dass sie unsere Zinsen erwirtschaften. Und wehe wenn nicht, dann wechseln wir die Bank. Es ist sehr bequem, auf die mit dem ganz großen Geld zu schielen. Doch die treiben es wie wir es treiben würden, wenn wir ihr Geld hätten.
Erntedankfest feiern wir. Wer erntet, der nimmt sich seinen Teil vom überschuss, den die Natur erübrigt. Aber wer erntet? Heutzutage gibt es Getreideproduzenten. Es gibt Milcherzeuger. Und in Zukunft soll es auch noch Energiewirte geben.
Wer erzeugt eigentlich die Milch? Derjenige der das Futter anbaut oder der an der Melkmaschine? Der den Tankwagen fährt oder derjenige, der an der Abfüllanlage steht? Oder vielleicht doch die Kuh, die das Gras frisst?
Kühe werden gezüchtet, die immer absurdere Milchmengen geben und immer mehr Kühe stehen in einem Stall, damit die Milchproduktion immer rentabler wird. Eine Weile geht diese Rechnung auf. Und dann stürzt der Preis, weil viel mehr Milch da ist, als irgendjemand trinken kann und weil Aldi so wenig zahlt. Schließlich wollen wir dass alles möglichst billig ist.
Und dann gehen Höfe krachen. Natürlich nicht zuerst diejenigen, die tausend Kühe haben, sondern die bäuerlichen Betriebe mit wenigen 10 Tieren. Und dann subventioniert der Staat, kauf Milch auf, lagert Butter und Milchpulver ein. Und damit ist die Milch wieder so teuer wie vorher, nur dass wir sie über die Steuer bezahlen, statt über den Milchpreis.
Dafür sparen wir dann an der Bildung, bei der Rente, im Gesundheitswesen, in der Kultur... Und dann, wenn die Milchlager voll sind, wird all die überflüssige Milch nach Afrika verschifft und dort billiger verkauft, als die Bauern vor Ort sie jemals anbieten könnten. Wahrscheinlich auch billiger, als der Staat sie hier gekauft hat. Und dann müssen die Bauern dort ihr Vieh schlachten, weil es nicht mehr rentabel ist und dann ist die nächste Hungerkatastrophe vorprogrammiert. Aber die ist im fernen Afrika und nicht bei uns. Und dann müssen sich die Hilfswerke kümmern, Brot für die Welt oder Miserior.
Habsucht ist ein hässliches Wort. Habsucht ist eine hässliche Eigenschaft unseres Charakters und doch: ein Stück davon tragen wir alle in uns. Und in dem Beispiel, dass Jesus erzählt, könnte jeder von uns die Hauptrolle übernehmen. Wir würden es doch genauso machen, wie der reiche Bauer aus dem Text. Auch wir würden vorsorgen für später, auch wir würden einlagern oder anlegen. Auch wir würden uns zurücklehnen und sicher fühlen, obwohl wir niemals wissen können, was morgen sein wird.
Du Narr - bekommt der Reiche gesagt - was du tust ist vergeblich. Deine Seele wird von dir gefordert werden. Man kann die Seele schon vor dem Tod verlieren. Die Seele hat verloren, der immer nur um sich selbst kreist, der meint er allein sei der Nabel der Welt. Die Seele verliert, wem die Menschen egal sind, die nach ihm kommen oder die anderswo leben, wer die Lebensgrundlagen zu opfern bereit ist, die nötig sind, damit auch morgen noch Menschen ein lebenswertes Leben führen können.
Und doch ist es wohl unser Schicksal, Narr sein zu müssen. Wir können nicht anders, denn unser Leben ist begrenzt und was wir in diesem Leben nicht erlebt haben, das ist für uns verloren. Der Sprung über diese Hürde ist nicht leicht. Die Begrenztheit unseres Lebens ist eine hohe Hürde.
Reich sein bei Gott empfiehlt Jesus seinen Zuhörern als Alternative. Aber das ist nicht einfach so zu machen. Dort gibt es kein Sparbuch, in das wir einzahlen könnten und wir können unsere Einlagen bei ihm nicht beliebig abbuchen, wenn wir meinen, dass wir sie gerade jetzt dringend nötig hätten.
Wer bei Gott reich werden will, der muss in diejenigen investieren, die er selbst nie kennen lernen wird. Der muss sich Gedanken machen über den Preis seines Kaffes und das Leben dessen, der ihn anbaut. Der muss sich Gedanken machen darüber, ob unsere Welt auch noch lebenswert ist, wenn die fernen Ururenkel auf ihr zurechtkommen müssen. Wer vor Gott reich sein will, der muss den Schritt versuchen aus dem eigenen überschaubaren Kreis hinaus und weiter denken, als bis zum eigenen Wohlergehen.
Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Wir leben auch davon, dass wir uns selbst im Spiegel anschauen können, davon, dass andere uns wahrnehmen als Menschen die in eine Gemeinschaft gehören, die über den eigenen Horizont hinausreicht, so weit, dass selbst Gott uns erkennen kann.
Amen.